Geschichte
Was eigentlich passiert ist
Ich habe 2019 einen unu Scooter Pro vorbestellt. Die Lieferung war ein Drama (18 Monate verzögert, in der Zwischenzeit ist die Lagerhalle abgebrannt und mit ihr die ganze erste Charge), aber das Ding kam dann irgendwann an. Was nicht funktionierte: der Motor-Controller, regelmäßig. "Electrical issue – please stop driving" mitten beim Rollen, vier Werkstattbesuche, ein Ersatzroller, ein neuer Controller, das Problem blieb. Im Juli 2021 habe ich den Roller zurückgegeben und den Kaufpreis erstattet bekommen. Die ganze Sache habe ich damals in einer fünfteiligen Serie auf moeffju.net dokumentiert.
Lange davor und parallel war ich an meinem Horwin EK1 dran: Diebstahlsicherung und Ortung nachgerüstet, eine Dashcam, neue Relais, Lauflicht, ein paar Ansatzpunkte am ECU. Als unu 2022 in die Insolvenz gegangen ist, hatte ich also einerseits keine besondere Sympathie für die Marke, andererseits wusste ich auch ungefähr, was in so einem E-Moped steckt.
Zurück zu unu, drei Jahre später
Ende 2024 habe ich einen gebrauchten unu Pro für meine Partnerin gekauft. Relativ günstig, weil der Markt für unu-Roller post-Insolvenz nicht gerade boomt. Beim Probefahren ist mir wieder eingefallen, was ich an dem Roller eigentlich gut fand. "Naja, sind ja jetzt drei Jahre vergangen, vielleicht sind die Bugs ja inzwischen raus", dachte ich, und habe vom selben Verkäufer noch einen zweiten gekauft. Für mich.
Das eigentliche Problem stellte sich beim ersten Anschalten. Die unu-Cloud, die für GPS, Sharing und alle Smartphone-Funktionen zuständig war, gab es nicht mehr. Die Roller waren mechanisch in Ordnung, aber Telematik-Stumpen.
Also: Roller aufgeschraubt, die alte SIM ausgelötet, eine M2M-SIM eingesetzt, und reverse engineering. Erst die DBC, dann die MDB, dann die Cloud-Endpoints. Am 30. November 2024 bin ich der unu Community auf Discord beigetreten, mit der typischen "ich habe ein Jahr zurückgescrollt"-Frage: gibt es schon ein Cloudersatz-Projekt?
Die Antwort war: nicht wirklich. Vieles war bereits dokumentiert (Hardware, Protokoll-Skizzen, Service-Architektur), aber niemand hatte sich an einen Replacement-Server gesetzt. Andere im Discord hatten andere Sachen gebaut: Uhrzeit-Sync per GPS für Roller mit toter Cloud-Verbindung, Software für die Keycards (deren Klebenähte nach Jahren auseinander fielen), kleinere Tools.
Am 16. Dezember 2024, nach zwei Wochen UART-, Modem- und NetworkManager-Wahn, lief eine erste Version dessen, was später Sunshine werden sollte: ein eigener MQTT-Broker, ein Rails-Backend, der Roller meldete Telemetrie. "Ich will eine erste Version Cloudersatz basteln heute", war der Eintrag im Discord an dem Tag.
Sunshine, librescoot, rescoot
Sunshine ist seitdem deutlich gewachsen. Trip-Statistiken, Sharing, Achievements, eine Web-App, mehrere Patches an der MDB-Firmware um Dinge zu ermöglichen, die unu nie eingebaut hatte. Mehr dazu auf der Sunshine-Projektseite.
librescoot ist ein paralleles Projekt, das von einer breiteren Community gebaut wird. Ein vollständiger Firmware-Ersatz für den Pro, mit Features wie Offline-Navigation und konfigurierbarem Lenkschloss. Ich bin da seit Februar 2025 dabei und unterstütze, baue mit, gebe Hardware aus.
rescoot als Marke und Infrastruktur-Schirm ist Anfang 2025 entstanden, als klar wurde, dass mehrere parallele Projekte einen gemeinsamen Anker brauchen. Starsong GmbH trägt die Server-Infrastruktur und einen großen Teil der Sunshine-Entwicklung; librescoot bleibt ein Community-Projekt mit eigener Maintenance.
Und der Horwin? Der ist nach wie vor mein eigentliches Daily-Driver-Projekt. Sieht der eine oder andere Hardware-Reverse-Engineering-Hinweis hier verdächtig nach Horwin EK1 aus? Möglich.